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RATGEBER · TWS

Was TWS, Bluetooth-Version und Codec bei Kopfhörern bedeuten

· Von Rowan Ellis

Render zweier weißer In-Ear-Ohrhörer mit geriffelten Stielen, die über einem weißen Ladecase mit schwarzem Band und blauer Statusleuchte schweben, vor weißem Hintergrund

TWS steht für True Wireless Stereo und bezeichnet eine Bauart: zwei einzelne Ohrhörer ohne Kabel dazwischen, kein Modell und keine Marke. Bluetooth für Kopfhörer besteht dabei aus zwei getrennten Ebenen, der Funkverbindung mit ihrer Versionsnummer und dem Codec, der den Ton verpackt. Wie wenig die Nummer allein aussagt, zeigt eine Produktseite aus unserem Sortiment: Sie nennt Bluetooth 5.4 am Ohrhörer und Bluetooth 4.0 als Untergrenze am Handy.

TWS ist eine Bauart, keine Modellreihe

Auf deutschen Marktplatzseiten steht „TWS“ oft dort, wo man einen Modellnamen erwartet: „TWS Kopfhörer 5.4“, „TWS Pro“, „TWS Earbuds“. Gemeint ist immer dasselbe: Links und rechts sind zwei eigenständige Geräte mit je eigenem Akku, eigener Antenne und eigenem Funkchip, die sich untereinander abstimmen und gegenüber dem Handy als ein Paar auftreten. Das Kürzel beschreibt den Aufbau, sonst nichts.

Daraus folgen zwei Dinge. Erstens gibt es zwei Ladestände: Das Listingbild der EARSOLE True Wireless Earbuds Series 218 zeigt am Case ein Display mit „100“ und darunter getrennte Balken für L und R, ein Ohrhörer kann also früher leer sein als der andere. Zweitens gibt es zwei Funkstrecken, eine vom Handy zu den Ohrhörern und eine zwischen den beiden. Bleibt eine Seite stumm, ist meist die zweite gestört.

Dunkelblaue In-Ear-Ohrhörer mit silbernen Stielen über einem geöffneten blauen Ladecase, dessen Display die Zahl 100 und darunter zwei Ladebalken mit den Buchstaben L und R zeigt
Listingbild der Series 218, ein Herstellerrender und keine Aufnahme des Shops: Das Case-Display führt den Ladestand für L und R getrennt, die sichtbarste Folge der TWS-Bauart.

Ein Headset mit Kabel zwischen den beiden Seiten ist deshalb kein TWS-Kopfhörer, auch wenn es über Bluetooth funkt: ein Akku, ein Funkchip, ein Ladestand. Der Preis der TWS-Bauart ist der Abstimmungsaufwand zwischen zwei Geräten, für den die Bluetooth-Welt inzwischen ein eigenes Kapitel hat, dazu unten mehr bei LE Audio.

Die Versionsnummer beschreibt den Funk, nicht den Klang

Bluetooth 5.3 und 5.4 sind Ausgaben der Core Specification, die die Bluetooth SIG als Dokumente veröffentlicht. Sie regeln die Funkschicht: wie Geräte sich finden, Strom sparen und Verbindungen verwalten. Der Ton kommt darin nicht vor; Codecs führt die SIG als eigene Spezifikationen daneben, etwa den LC3 in der Fassung 1.0.1. Eine höhere Nummer heißt: neuerer Funkchip. Sie heißt weder besserer Klang noch längere Laufzeit.

Zwei Punkte relativieren die Nummer weiter. Erstens ist 5.4 nicht mehr der oberste Eintrag: Auf der Spezifikationsliste der Bluetooth SIG steht die Core Specification 5.4 als angenommene Fassung, die neueste angenommene Ausgabe ist dort aber die 6.3 (Stand 7. September 2026). Ein Ohrhörer mit 5.4 ist damit weder veraltet noch abgekündigt, aber die Werbezeile „neueste Version“ stimmt seit einer Weile nicht mehr. Zweitens reicht die Abwärtskompatibilität weit: Die Produktseite der Series 218 nennt als Mindestanforderung „Android 4.4, iOS 8.0 oder Bluetooth 4.0 und höher“. Ein Handy der 4.0-Generation kommt laut Listing also mit; genutzt wird, was beide Seiten beherrschen.

Herstellergrafik auf braun-goldenem Grund mit der Überschrift Everyday Wireless Performance und vier Symbolzeilen: Bluetooth 5.4, ENC Call Noise Reduction, Low-Latency Gaming, IPX5 Water Resistance; rechts weiße Ohrhörer und ein weißes Ladecase mit blauer Leuchte
Herstellergrafik aus dem Listing der Cloud White, kein Foto des Shops: Die Versionsnummer 5.4 steht in einer Reihe mit ENC, Latenzmodus und IPX5, also mit Merkmalen, die mit ihr nichts zu tun haben. Ein Codec fehlt in der Liste.

Für den Alltag ist die Nummer damit eine Kompatibilitätsschwelle und ein Hinweis auf das Alter des Chips. Zwei Ohrhörer, die beide 5.4 angeben, unterscheidet sie nicht; die Angaben, die das tun (Codec, Multipoint, Latenzmodus, Laufzeit pro Ladung), stehen in unserer Kaufberatung zu Bluetooth-Kopfhörern nebeneinander.

Codecs sind eine Vereinbarung zwischen zwei Geräten

Der Codec legt fest, wie der Ton für den Funkweg verkleinert wird. Die Regel dahinter: Verwendet wird nur ein Codec, den beide Seiten beherrschen, und gewählt wird er beim Verbinden. Ein Kürzel auf der Verpackung beschreibt also die halbe Strecke; die andere Hälfte ist das Handy oder das Notebook. SBC gehört zum klassischen Bluetooth-Audio dazu und ist immer vorhanden, AAC ist auf Apple-Geräten der übliche Weg und läuft auch auf vielen Android-Handys, aptX stammt von Qualcomm und setzt einen entsprechend lizenzierten Chip im Handy voraus. Fehlt dem Handy ein Codec, fällt die Verbindung ohne Fehlermeldung auf den nächsten gemeinsamen zurück, im Zweifel auf SBC.

Codecs betreffen den Weg der Musik zum Ohr. ENC, das beide Produktseiten aufführen, betrifft die Gegenrichtung am Mikrofon: Es filtert Umgebungsgeräusche aus deiner Stimme, damit dein Gegenüber dich versteht; die Series-218-Seite nennt dafür 80 % blockiertes Hintergrundgeräusch, eine Herstellerangabe. Für die Ruhe im eigenen Ohr wäre ANC zuständig, und das nennt keine der beiden Seiten.

LE Audio, LC3 und Auracast

LE Audio ist die neuere Audio-Architektur auf dem stromsparenden Teil des Bluetooth-Funks; ihr Codec heißt LC3. Die Bluetooth SIG schreibt, ausgedehnte Hörtests hätten gezeigt, dass LC3 die Audioqualität gegenüber SBC verbessert, selbst bei einer um 50 % niedrigeren Bitrate. Weniger Bits für dieselbe Qualität heißt: Der Funk ist kürzer aktiv, der Akku hält länger. Dazu kommen Multi-Stream-Audio, bei dem eine Quelle mehrere synchronisierte Ströme sendet (gedacht unter anderem für komplett kabellose Ohrhörer), und Auracast, bei dem ein Sender einen Stream an beliebig viele Empfänger schickt, etwa an alle Kopfhörer in einem Wartesaal. Auf den Produktseiten der beiden hier genannten Modelle steht keines dieser Stichworte; wer Auracast nutzen will, braucht die ausdrückliche Angabe am Ohrhörer und am Sender.

Durchgespielt: die Series 218 an drei Geräten

Nimm die Series 218, deren Seite als einzige der beiden Codecs nennt (AAC, SBC und Qualcomm aptX Adaptive), und drei Geräte, wie sie in deutschen Haushalten stehen.

Gerät Was die Quellen nennen Was daraus folgt
Samsung- oder Pixel-Handy mit Android Welche Codecs ein Android-Handy umsetzt, entscheidet der Hersteller. LC3 kommt erst mit LE Audio, das laut Android-Dokumentation ab Android 13 (API-Level 33) eingebaut ist. Gesicherte Schnittmenge: AAC und SBC, beide auf der Liste des Ohrhörers. aptX Adaptive nur mit lizenziertem Qualcomm-Chip im Handy. LC3 nicht, weil er auf der Ohrhörerseite fehlt.
iPhone Apples Anleitung beschreibt den Kopplungsweg, nennt aber keine Codecs. Sicher ist SBC; AAC steht auf der Liste des Ohrhörers und ist der Codec, den Apple-Geräte üblicherweise nutzen. aptX Adaptive spielt hier keine Rolle.
Windows-11-Notebook im Homeoffice Microsofts Anleitung: Taskleiste › Bluetooth-Kachel › „Bluetooth verwalten“ › „Neue Geräte“. Das Listing nennt Bluetooth 4.0 als Untergrenze. Verbindung ja, Codec je nach Bluetooth-Stack des Notebooks, mindestens SBC. Ohne zugesichertes Multipoint nur eine aktive Verbindung.

Bluetooth für Kopfhörer auf Samsung, iPhone und Windows 11 einrichten

Bei TWS In-Ear-Kopfhörern entsteht die erste Verbindung im Bluetooth-Menü des Geräts und nicht in einer Hersteller-App. Die Produktseite der EARSOLE Cloud White Bluetooth 5.4 Wireless Earbuds sagt das ausdrücklich: Kopplung im Bluetooth-Menü, danach automatische Wiederverbindung kurz nach dem Öffnen des Case, keine Begleit-App auf iPhone oder Android. In den Kopplungsmodus gehen neue Ohrhörer meist automatisch beim ersten Öffnen des Case; die Series-218-Seite nennt dafür einen Hall-Schalter.

  1. Android nach Googles Anleitung: vom oberen Displayrand nach unten wischen, „Bluetooth“ gedrückt halten, auf „Neues Gerät koppeln“ tippen, den Namen des Ohrhörers antippen. Auf Samsung-Geräten führt alternativ der Weg über Einstellungen › Verbindungen › Bluetooth zur selben Liste.
  2. iPhone und iPad nach Apples Anleitung: „Einstellungen“ öffnen, auf „Bluetooth“ tippen, Bluetooth aktivieren und unter „Meine Geräte“ auf den Namen des Ohrhörers tippen, sobald er erscheint.
  3. Windows 11 nach Microsofts Anleitung: in der Taskleiste das Netzwerk-, Lautstärke- oder Akkusymbol wählen, in der Bluetooth-Kachel „Bluetooth verwalten“ öffnen, unter „Neue Geräte“ den Ohrhörer auswählen, „Fertig“. Unterstützt der Ohrhörer Swift Pair, meldet sich Windows von selbst, sobald er im Kopplungsmodus in der Nähe ist.
  4. Danach Ohrhörer ins Case, Deckel zu, wieder öffnen: Sie sollten sich jetzt ohne Menü mit dem zuletzt genutzten Gerät verbinden.

Zwischen Notebook und Handy wechseln

Keine der beiden Produktseiten nennt Multipoint, also das gleichzeitige Verbundensein mit zwei Geräten; ohne diese Zusicherung hält ein Ohrhörer eine aktive Verbindung. Der Wechsel von der Videokonferenz am Notebook zum Anruf am Handy geht deshalb so: am Notebook trennen (nicht entkoppeln), dann am Handy in der Bluetooth-Liste den Ohrhörer antippen. Mehrfaches Neukoppeln erzeugt nur doppelte Einträge.

Hersteller-App, Berechtigungen und DSGVO

Apps kommen erst für Zusatzfunktionen ins Spiel: Equalizer, Tastenbelegung, Firmware-Updates. Vor der Installation lohnt ein Blick auf die Berechtigungen, die der Store anzeigt (eine App, die nur den Equalizer stellt, braucht keine Kontakte und keine Fotos), und auf die Datenschutzerklärung: Nach der DSGVO muss der Anbieter nennen, welche Daten er zu welchem Zweck verarbeitet und ob sie in ein Drittland gehen. Die Cloud-White-Seite setzt keine App voraus, die Series-218-Seite erwähnt keine.

Das Ladecase, USB-C und das Netzteil, das nicht beiliegt

Geladen wird bei der TWS-Bauart das Case; die Ohrhörer laden darin über ihre Kontakte nach. Die Cloud-White-Seite nennt dafür USB-C am Case, die Series-218-Seite nennt den Ladeanschluss gar nicht. Vorgeschrieben ist er trotzdem: Die Richtlinie (EU) 2022/2380 verlangt für Funkanlagen mit kabelgebundener Ladefunktion den USB-Typ-C-Anschluss, ihr Anhang zählt Kopfhörer, Headsets und Ohrhörer ausdrücklich auf, und die Mitgliedstaaten wenden diese Vorschriften für diese Kategorien ab dem 28. Dezember 2024 an. Für Ohrhörer stellt die Richtlinie auf das Ladegehäuse ab, weil sie, so der Wortlaut, „aufgrund ihrer Größe und Form selten oder nie vom Ladegehäuse oder -behältnis zu trennen sind“.

Herstellergrafik mit der Überschrift Built for Everyday Listening: links weiße Ohrhörer und ein weißes Ladecase, rechts vier beschriftete Felder Music 360° Stereo, Calls ENC + CVC, Gaming Low Latency und Charging USB-C
Herstellergrafik aus dem Listing der Cloud White, keine Aufnahme des Shops: Das Feld „Charging USB-C“ meint den Anschluss am Case. Eine Kapazität in mAh oder eine Laufzeit nennt weder die Grafik noch die Produktseite.

Ein Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang: Die Cloud-White-Seite nennt als Packungsinhalt die Ohrhörer und das USB-C-Ladecase, die Series-218-Seite macht dazu keine Angabe; ein vorhandenes Handy-Netzteil oder ein USB-Anschluss am Notebook reicht. Zum Zeitpunkt dieses Textes kostet die Series 218 22,99 US-Dollar, die Cloud White 25,99 US-Dollar.

Fragen aus den ersten Minuten mit TWS-Ohrhörern

Auf Amazon steht „TWS“ im Modellnamen. Ist das eine Marke?

Nein. TWS ist ein Bauartkürzel und steht bei vielen Angeboten im Titel, weil es sich als Sammelbegriff eingebürgert hat und keine Serie bezeichnet. Wer vergleichen will, ignoriert das Kürzel und liest, was die Seite belegt: Codecs, Mindestanforderungen, IP-Code, Ladeanschluss, Lieferumfang. Zwei Angebote mit „TWS 5.4“ im Titel können in jedem dieser Punkte verschieden sein.

Nur ein Ohrhörer verbindet sich. Was tun?

Meist ist die Strecke zwischen den beiden Ohrhörern gestört und die zum Handy in Ordnung. Beide zurück ins Case, Deckel schließen, ein paar Sekunden warten, wieder herausnehmen; das setzt die interne Kopplung in den meisten Fällen zurück. Hilft das nicht, den Ohrhörer im Bluetooth-Menü des Handys entfernen und einmal neu koppeln. Erst danach lohnt ein Blick in die Anleitung des Herstellers, wie sich das Paar auf Werkseinstellungen zurücksetzen lässt.

Wer die drei Ebenen einmal auseinanderhält (Bauart, Funkversion, Codec), liest jede Produktseite schneller, auch die in unserer Sammlung für Alltags-Ohrhörer. Weitere Erklärtexte stehen im Ratgeberbereich.

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